Das Wichtigste in Kürze
- Der Schlosser heißt gewerberechtlich Metalltechnik für Metall- und Maschinenbau und ist Teil eines verbundenen Handwerks (§ 94 Z 59 GewO). Den Befähigungsnachweis erbringen Sie meist mit der Meisterprüfung.
- Ihre Werkstatt ist eine Betriebsanlage. Wenn Lärm, Schweißrauch oder Lieferverkehr Nachbar:innen beeinträchtigen können, brauchen Sie eine Genehmigung nach § 74 GewO, bevor Sie den Betrieb aufnehmen.
- Tragende Bauteile aus Stahl und Aluminium, die Sie in Verkehr bringen, brauchen eine CE-Kennzeichnung nach EN 1090-1 mit zertifizierter werkseigener Produktionskontrolle.
- Für Ihre Schweißer:innen sind Prüfungen nach EN ISO 9606-1 der Standard, für EN 1090 zusätzlich eine benannte Schweißaufsicht.
- Metalltechnikbetriebe fallen grundsätzlich nicht ins BUAG. Eine Ausnahme gilt für die Montage bestimmter vorgehängter hinterlüfteter Fassaden.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts- oder Steuerberatung. Vorschriften ändern sich: Prüfen Sie Details bei Ihrer Wirtschafts- oder Handwerkskammer, Ihrer Innung oder Ihrer Steuerberatung.
Welches Gewerbe Sie anmelden
Den Begriff „Schlosser“ kennt die Gewerbeordnung nicht mehr. Seit der Zusammenlegung heißt das Gewerbe Metalltechnik für Metall- und Maschinenbau. Es bildet mit „Metalltechnik für Schmiede und Fahrzeugbau“ und „Metalltechnik für Land- und Baumaschinen“ ein verbundenes Handwerk (§ 94 Z 59 GewO). Für eine klassische Bau- und Kunstschlosserei mit Geländern, Toren, Treppen, Stahlkonstruktionen und Reparaturen ist das Metall- und Maschinenbau-Gewerbe das richtige.
Den Befähigungsnachweis erbringen Sie auf einem dieser Wege:
- Meisterprüfung Metalltechnik mit fünf Modulen: Meisterarbeit (praktisch), Fachgespräch (mündlich), Projektarbeit (schriftlich), dazu Ausbilder- und Unternehmerprüfung. Mit Lehrabschluss in einem Metalltechnik-Modulberuf werden Teile ersetzt.
- Andere Ausbildungswege nach der Zugangsverordnung, etwa eine einschlägige HTL, Werkmeisterschule oder ein Studium in Kombination mit Berufspraxis. Die genauen Zeiten nennt Ihnen die Meisterprüfungsstelle oder Gewerbebehörde.
- Individueller Befähigungsnachweis (§ 19 GewO), wenn Sie gleichwertige Kenntnisse durch Erfahrung im hochqualifizierten Bereich belegen können. Die Bezirksverwaltungsbehörde entscheidet im Einzelfall.
- Gewerberechtliche:r Geschäftsführer:in mit Meisterprüfung, wenn Sie selbst die Voraussetzungen noch nicht erfüllen.
Die Werkstatt: Standort und Betriebsanlagengenehmigung
Eine Schlosserei ist laut, staubt beim Schleifen und erzeugt Schweißrauch. Nach § 74 GewO braucht eine gewerbliche Betriebsanlage eine Genehmigung, wenn sie Nachbar:innen durch Lärm, Geruch, Rauch oder Erschütterung belästigen oder gefährden kann. Bei einer Metallwerkstatt ist das fast immer der Fall. Kleinere Anlagen laufen oft im vereinfachten Verfahren nach § 359b GewO, das schneller geht. Klären Sie vor der Unterschrift unter einen Mietvertrag drei Dinge:
Widmung prüfen
Im Flächenwidmungsplan muss eine gewerbliche Nutzung möglich sein. Eine Halle im Wohngebiet ist schwierig, im Betriebs- oder Gewerbegebiet meist kein Problem.
Vorbesprechung mit der Behörde
Bezirkshauptmannschaft oder Magistrat bieten Projektsprechtage an. Bringen Sie Grundriss, Maschinenliste und geplante Arbeitszeiten mit. Dort erfahren Sie, welche Unterlagen und Gutachten nötig sind.
Einreichen und Auflagen umsetzen
Typische Auflagen betreffen Schallschutz (Tore während des Schleifens geschlossen), Absaugung beim Schweißen, Brandschutz und Lagerung von Gasflaschen. Rechnen Sie im vereinfachten Verfahren mit einigen Wochen, im ordentlichen mit mehreren Monaten.
Übernehmen Sie eine bestehende Schlosserei, prüfen Sie, ob die Genehmigung zur geplanten Nutzung passt. Eine neue Laserschneidanlage oder ein Lackierstand kann eine Änderungsgenehmigung erfordern. Fürs Personal gilt das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz: Evaluierung von Schweißrauch, Lärm und Maschinen, Unterweisung und Präventivdienste. Für Betriebe bis 50 Beschäftigte übernimmt AUVAsicher die sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung kostenlos.

EN 1090 und CE-Kennzeichnung: wann Sie zertifiziert sein müssen
Wer tragende Bauteile oder Bausätze aus Stahl oder Aluminium herstellt und in Verkehr bringt, muss sie nach der harmonisierten Norm EN 1090-1 mit einer Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung versehen. Dazu gehören zum Beispiel Stahlträger, Stützen, Treppenwangen, Balkon- und Vordachkonstruktionen und Carports mit statischer Funktion. Die Grundlage ist das EU-Bauproduktenrecht: Die neue Bauprodukteverordnung (EU) 2024/3110 gilt seit 8. Jänner 2026 und löst die Verordnung 305/2011 schrittweise ab. Normen, die unter der alten Verordnung harmonisiert wurden, bleiben in der Übergangszeit maßgeblich, die EN 1090-1 also weiterhin.
| Klasse | Typische Bauteile | Was es für Ihren Betrieb heißt |
|---|---|---|
| EXC1 | einfache Konstruktionen mit geringen Folgen bei Versagen, etwa landwirtschaftliche Gebäude, nach gängigen Beispielen auch Treppen und Geländer im Wohnbau | Einstieg, geringere Anforderungen an Schweißaufsicht |
| EXC2 | der Großteil im Hochbau: Hallen, Vordächer, Balkone, Bühnen | für eine Bauschlosserei meist das Ziel, Schweißaufsicht mit Basis- oder speziellen Kenntnissen je nach Werkstoff und Blechdicke |
| EXC3 | Brücken, Stadien, hohe Bauwerke | Schweißaufsicht mit umfassenden Kenntnissen (Schweißfachingenieur:in), selten für kleine Betriebe |
| EXC4 | Bauwerke mit sehr hohen Versagensfolgen | Spezialbetriebe |
Für die Zertifizierung richten Sie eine werkseigene Produktionskontrolle (WPK) ein: dokumentierte Abläufe von der Materialbestellung mit Abnahmeprüfzeugnis bis zur Endkontrolle, Rückverfolgbarkeit der Chargen, Prüfmittelüberwachung und Schweißanweisungen (WPS). Eine notifizierte Stelle, etwa eine TÜV-Organisation oder eine schweißtechnische Prüfanstalt, auditiert Ihren Betrieb und überwacht ihn danach regelmäßig. Rechnen Sie für Beratung, Erstaudit und Verfahrensprüfungen im ersten Jahr grob mit 5.000 bis 12.000 € und danach mit laufenden Überwachungskosten (Erfahrungswerte, Stand: November 2026).
Schweißzertifikate für Ihr Team
Die Schweißerprüfung nach EN ISO 9606-1 (Stahl) bzw. 9606-2 (Aluminium) gilt für ein bestimmtes Verfahren, eine Position und einen Werkstoffbereich, also etwa MAG-Schweißen von Kehlnähten an Baustahl. Sie muss regelmäßig bestätigt und je nach Verlängerungsart neu geprüft werden. Für die Schweißaufsicht im EN-1090-Betrieb ist eine Ausbildung nach internationalem Standard üblich: Schweißfachmann (IWS), Schweißtechniker (IWT) oder Schweißfachingenieur (IWE). Kurse bieten etwa WIFI und schweißtechnische Ausbildungsstellen an. Als Gründer:in, die oder der selbst schweißt, lohnt sich oft der Kurs zum Schweißfachmann: Sie können damit in vielen EXC2-Fällen selbst die Aufsicht übernehmen.
Personal: Kollektivvertrag und BUAG
Metalltechnikbetriebe sind nach § 2 Abs. 5 BUAG vom Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz ausgenommen. Ihre Monteur:innen laufen also nicht über die BUAK, Urlaub und Abfertigung regeln Sie selbst. Eine wichtige Ausnahme steht in § 2 Abs. 6: Montieren Sie vorgehängte hinterlüftete Fassaden, kann das je nach Fassadenelement und Größe BUAG-pflichtig sein. Wer in dieses Geschäft einsteigt, klärt das vorab mit der BUAK. Löhne und Zulagen regelt der Kollektivvertrag für das Metallgewerbe. Lehrlinge in Metalltechnik sind gesucht, und eine Lehrwerkstatt ist ein Argument, mit dem Sie Fachkräfte gewinnen. Tipps dazu im Beitrag Mitarbeiter:innen finden.
Was die Werkstatt kostet
| Ausstattung | neu rund | gebraucht oder Alternative |
|---|---|---|
| MAG-Schweißgerät, dazu WIG für Edelstahl | 4.000 – 12.000 € | gebraucht ab rund 1.500 € pro Gerät |
| Metallbandsäge, Ständerbohrmaschine | 5.000 – 15.000 € | gebrauchte Industriemaschinen |
| Schweißtisch mit Spannsystem | 3.000 – 8.000 € | selbst bauen |
| Abkantpresse oder Schwenkbiegemaschine | 15.000 – 60.000 € | Kantteile anfangs zukaufen |
| Hallenkran oder Portalkran | 8.000 – 25.000 € | Stapler, Kettenzug |
| Absaugung für Schweißrauch | 3.000 – 10.000 € | mobile Absaugung zum Start |
| Transporter mit Plane oder Pritsche und Anhänger | 30.000 – 50.000 € | Leasing |
| EN-1090-Zertifizierung im ersten Jahr | 5.000 – 12.000 € | erst bei Bedarf |
Laserschneiden, Verzinken und Pulverbeschichten kaufen fast alle kleinen Schlossereien zu. Halle und Strom sind die laufenden Brocken: Für 300 bis 500 m² Werkstatt mit Büro zahlen Sie je nach Region deutlich unterschiedliche Mieten. Planen Sie außerdem die Kleinunternehmerregelung nicht ein: Mit 55.000 € Jahresumsatz (Stand: November 2026) ist die Grenze bei Stahlpreisen und zwei Leuten schnell erreicht.
So machen Sie es richtig
- Geländer und Treppen nach den Vorgaben der OIB-Richtlinie 4 und der Bauordnung Ihres Bundeslandes planen (Höhe, Öffnungen, Kletterschutz)
- Werkstattzeichnung vom Kunden freigeben lassen, bevor Sie schneiden
- Materialzeugnisse jeder Lieferung ablegen, auch ohne EN 1090
Lieber nicht
- Eine Halle mieten, bevor die Widmung geklärt ist
- Tragende Vordächer ohne CE-Kennzeichnung an Bauträger liefern
- Schweißarbeiten von Leuten ohne gültige Prüfung ausführen lassen

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Woher die ersten Aufträge kommen
Schlossereien haben zwei Kundengruppen: Privatkund:innen, die ein Geländer, ein Tor oder einen Zaun wollen, und Baufirmen, Tischlereien und Architekt:innen, die verlässliche Zulieferer suchen. Die Privatkund:innen finden Sie über Google und Empfehlungen, für Profis zählen Termintreue und Zertifikate. Auf der Website sollten deshalb beides stehen: Fotos fertiger Arbeiten mit Material und Oberfläche und eine klare Liste, was Sie fertigen, inklusive EN-1090-Klasse, sobald Sie sie haben. Für das Impressum gelten die Pflichtangaben in Österreich, den Text liefert der Impressum-Generator. Mit dem Visitenkarten-Generator haben Sie Karten für den ersten Termin auf der Baustelle.
Checkliste: Schlosserei in Österreich
- Gewerbe Metalltechnik für Metall- und Maschinenbau, Befähigung geklärt
- Werkstatt mit passender Widmung gefunden
- Betriebsanlagengenehmigung beantragt oder vorhanden
- Gewerbe über GISA angemeldet, WKO und SVS erledigt
- Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606 aktuell
- Entscheidung über EN-1090-Zertifizierung und Ausführungsklasse
- Evaluierung Schweißrauch, Lärm, Maschinen und AUVAsicher
- Website mit Referenzen und Leistungen
Die allgemeinen Gründungsschritte, von Rechtsform bis Finanzamt, stehen im Leitfaden Handwerksbetrieb gründen in Österreich.
Quellen
- RIS – Gewerbeordnung 1994, § 94 (reglementierte Gewerbe)
- RIS – Gewerbeordnung 1994, § 74 (Betriebsanlagen)
- RIS – Gewerbeordnung 1994, § 32 (Nebenrechte)
- WKO – Berufszugang Metalltechnik
- WKO – Meisterprüfung Metalltechnik
- RIS – Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz
- OIB – OIB-Richtlinien 2023
- TÜV Rheinland Österreich – Zertifizierung nach EN 1090
- USP – Kleinunternehmen


