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Betriebsgründung

Dachdeckerbetrieb gründen in Deutschland: was vor dem ersten eigenen Dach zu klären ist

Die Auftragsbücher vieler Dachdeckerbetriebe sind voll: energetische Sanierung, Photovoltaik, Sturmschäden und ein Generationswechsel in den Betrieben. Für Gründer:innen ist das eine gute Ausgangslage. Das Dachdeckerhandwerk hat aber eigene Regeln, die es von anderen Bauberufen unterscheiden: eine eigene Sozialkasse, einen eigenen Mindestlohn und ein eigenes technisches Regelwerk. Dieser Leitfaden geht die Punkte in der Reihenfolge durch, in der sie bei der Gründung auf Sie zukommen.

8 Min. LesezeitStand: November 2026

Hände befestigen eine Metalldachbahn mit einem Werkzeug

Das Wichtigste in Kürze

  • Dachdecker ist Nr. 4 und Klempner Nr. 23 der Anlage A der Handwerksordnung. Beide sind zulassungspflichtig, für die Handwerksrolle brauchen Sie Meisterbrief oder einen gleichgestellten Nachweis.
  • Dachdeckerbetriebe zahlen nicht an die SOKA-BAU, sondern an die SOKA-DACH in Wiesbaden: 12,40 % Sozialkassenbeitrag plus 1,60 % Winterbeschäftigungsumlage auf die Bruttolohnsumme.
  • Es gilt ein Branchenmindestlohn: 2026 14,96 € (Lohngruppe 1) und 16,60 € (Lohngruppe 2, Gesell:innen), 2027 steigt Lohngruppe 2 auf 17,10 €.
  • Die Fachregeln des ZVDH gelten als anerkannte Regeln der Technik. Wer davon abweicht, muss im Streitfall beweisen, dass seine Lösung gleichwertig ist.
  • Absturzsicherungen sind auf Baustellen grundsätzlich ab mehr als 2 m Absturzhöhe Pflicht (ASR A2.1), für kleine flache Dachflächen gibt es eine enge Ausnahme bis 3 m.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts- oder Steuerberatung. Vorschriften ändern sich: Prüfen Sie Details bei Ihrer Wirtschafts- oder Handwerkskammer, Ihrer Innung oder Ihrer Steuerberatung.

Wo die Aufträge herkommen

Vier Felder tragen die meisten Dachdeckerbetriebe: Steildachsanierung mit Dämmung, Flachdachabdichtung für Gewerbe und Wohnanlagen, Photovoltaik-Unterkonstruktionen und Reparaturen nach Sturm oder Hagel. Für einen Neugründer ist die Mischung entscheidend. Sanierungen bringen planbare Umsätze, Reparaturen bringen schnell neue Kontakte, und wer einmal eine Rinne repariert hat, bekommt oft auch das neue Dach. Überlegen Sie vor der Gründung, welches Feld Sie besetzen wollen, denn davon hängen Werkzeug, Personal und Ihre Website ab.

Meisterpflicht für Dachdecker und Klempner

Für die Eintragung in die Handwerksrolle nennt die Handwerkskammer mehrere Wege: den Meisterbrief im Dachdeckerhandwerk, einen gleichwertigen Abschluss wie Bauingenieur:in mit passender Fachrichtung, eine:n angestellte:n Meister:in als Betriebsleiter:in, die Ausübungsberechtigung nach § 7b HwO (Gesellenprüfung und sechs Jahre Tätigkeit, davon vier in leitender Stellung) oder eine Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO. Die Meisterschule dauert in Vollzeit einige Monate, berufsbegleitend entsprechend länger. Das Aufstiegs-BAföG fördert Lehrgang und Prüfung mit einem Zuschuss und einem zinsgünstigen Darlehen.

Rinnen, Kehlen und Anschlüsse aus Metall gehören im Zusammenhang mit der Dacheindeckung auch zum Dachdecker. § 5 HwO erlaubt Arbeiten in anderen Handwerken, die mit dem eigenen Auftrag technisch oder fachlich zusammenhängen oder ihn wirtschaftlich ergänzen. Ein reines Metalldach in Doppelstehfalz oder eine Blechfassade als eigener Auftrag ist dagegen Klempnerarbeit. Wer beides dauerhaft anbieten will, lässt sich mit beiden Handwerken eintragen oder stellt eine:n Klempnermeister:in als Betriebsleiter:in ein.

Anmelden: vom Gewerbeamt bis zur SOKA-DACH

  1. 1

    Handwerkskammer

    Eintragung in die Handwerksrolle mit Dachdecker (und gegebenenfalls Klempner). Die Kammer berät auch zu Förderprogrammen für Gründer:innen und Betriebsübernahmen.

  2. 2

    Gewerbeamt und Finanzamt

    Gewerbe anmelden, danach den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung abgeben. Beantragen Sie die Freistellungsbescheinigung nach § 48b EStG gleich mit, sonst behalten gewerbliche Auftraggeber 15 % Bauabzugsteuer ein.

  3. 3

    BG BAU

    Binnen einer Woche nach Betriebsbeginn anmelden. Inhaber:innen sind nicht automatisch versichert, die freiwillige Unternehmerversicherung ist bei der Arbeit auf dem Dach mehr als eine Formsache.

  4. 4

    SOKA-DACH

    Mit dem ersten Arbeitnehmer im Geltungsbereich der Tarifverträge melden Sie den Betrieb bei der Sozialkasse des Dachdeckerhandwerks an und übermitteln monatlich die Bruttolohnsumme.

  5. 5

    Innung (freiwillig)

    Die Dachdecker-Innung ist keine Pflicht. Sie bietet aber Tarifinfos, Musterverträge, günstigeren Zugang zum Regelwerk und Kontakte zu Kolleg:innen für große Aufträge.

Dachdecker arbeitet auf einem roten Ziegeldach mit Gerüst

SOKA-DACH und Mindestlohn: Ihre Lohnnebenkosten

Die SOKA-DACH besteht aus der Lohnausgleichskasse, der Zusatzversorgungskasse und dem Zentralen Versorgungswerk des Dachdeckerhandwerks. Sie zahlt unter anderem Zuschüsse zum 13. Monatseinkommen, die tarifliche Zusatzrente, Ausbildungszuschüsse und Ausfallgeld. Der Beitrag gilt seit März 2025 bundesweit einheitlich:

SOKA-DACH-Beitrag in Prozent der Bruttolohnsumme (Stand: November 2026)
BestandteilSatz
Berufsbildung2,00 %
Zusatzversorgung3,20 %
Teil des 13. Monatseinkommens6,20 %
Beschäftigungssicherung1,00 %
Sozialkassenbeitrag gesamt12,40 %
Winterbeschäftigungsumlage1,60 %
Summe14,00 %

Ein Rechenbeispiel: Sie beschäftigen zwei Gesell:innen und einen Helfer mit zusammen 150.000 € Bruttolohn im Jahr. Dann gehen rund 21.000 € an die SOKA-DACH, zusätzlich zu den gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträgen und dem BG-Beitrag. Dafür bekommen Sie einen Teil des 13. Gehalts erstattet und können in der Schlechtwetterzeit Saison-Kurzarbeitergeld nutzen, statt Leute zu entlassen.

Beim Lohn gilt nach der Dachdeckerarbeitsbedingungenverordnung ein Branchenmindestlohn, der über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt: 2026 14,96 € für ungelernte Kräfte (Lohngruppe 1) und 16,60 € für Gesell:innen (Lohngruppe 2). Lohngruppe 2 steigt 2027 auf 17,10 € und 2028 auf 17,60 €. Der Zoll kontrolliert das auf Baustellen, Aufzeichnungen zur Arbeitszeit sind Pflicht.

Fachregeln des ZVDH: Ihr technischer Maßstab

Das Regelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks, herausgegeben vom Zentralverband (ZVDH), besteht aus Grundregeln, Fachregeln, Hinweisen und Merkblättern, etwa zu Dachdeckungen mit Ziegeln oder Schiefer, zu Abdichtungen (Flachdachrichtlinie) oder zu Metallarbeiten. Gerichte und Sachverständige behandeln es als anerkannte Regeln der Technik. Für Sie heißt das: Ein Angebot, das eine geringere Dachneigung, kürzere Überdeckung oder ein anderes Unterdach als in der Fachregel vorsieht, braucht einen schriftlichen Hinweis an die Kund:innen und eine Begründung. Sonst haften Sie im Schadensfall, auch wenn der Kunde die billigere Lösung wollte.

Absturzschutz: Regeln und Kosten

Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.1 verlangt auf Baustellen Schutz gegen Absturz grundsätzlich ab mehr als 2 m Absturzhöhe. Eine Ausnahme bis 3 m gibt es nur für Dachflächen bis 22,5° Neigung und höchstens 50 m² Grundfläche und unter weiteren Bedingungen. Vorrang hat immer der technische Schutz (Seitenschutz, Fanggerüst, Netze) vor der persönlichen Schutzausrüstung. Die BG BAU bietet Arbeitsschutzprämien, mit denen sie einen Teil der Kosten für zum Beispiel Dachschutzwände oder Anschlageinrichtungen übernimmt. Fragen Sie vor dem Kauf nach den aktuellen Bedingungen.

  • Gefährdungsbeurteilung für jede Baustelle, nicht nur einmal für den Betrieb
  • Unterweisung der Mitarbeiter:innen mindestens jährlich und dokumentiert
  • PSA gegen Absturz nur mit Rettungskonzept: Wer im Gurt hängt, muss binnen Minuten befreit werden
  • Bei mehreren Firmen auf der Baustelle: Koordination nach Baustellenverordnung durch den Bauherrn

Kosten für den Start

Grobe Erfahrungswerte für einen Zwei- bis Drei-Personen-Betrieb (netto, Stand: November 2026)
PostenrundTipp
Pritschenwagen mit Doppelkabine35.000 – 55.000 €gebraucht oder Leasing
Schrägaufzug oder Dachdeckeraufzug5.000 – 12.000 €Kran zunächst mieten
Seitenschutz, Dachschutzwand, PSA6.000 – 15.000 €Arbeitsschutzprämie der BG BAU prüfen
Werkzeug, Akku- und Schneidgeräte, Schweißgerät für Bahnen8.000 – 15.000 €Systeme eines Herstellers sparen Akkus
Lagerfläche mit Container300 – 1.000 € im Monatauch beim Baustoffhändler
Regelwerk, Software, Aufmaß-App800 – 3.000 € pro JahrInnungsmitglieder zahlen weniger

Übernehmen Sie einen bestehenden Betrieb, sieht die Rechnung anders aus: Fahrzeuge, Gerüst und Kundenstamm sind da, dafür zahlen Sie einen Kaufpreis. Viele Handwerkskammern haben Betriebsbörsen, und gerade im Dachdeckerhandwerk suchen viele Inhaber:innen eine Nachfolge.

Zwei Personen unterschreiben einen Vertrag an einem Schreibtisch
Betriebsübernahme: Fahrzeuge, Kundenstamm und Mitarbeiter:innen sind schon da.

So machen Sie es richtig

  • Im Angebot auf die geltende Fachregel verweisen
  • Vor- und Nachher-Fotos jedes Dachs sammeln
  • Wartungsverträge für Flachdächer anbieten, Gewerbekund:innen schätzen das

Lieber nicht

  • Unter Mindestlohn kalkulieren, weil Helfer „nur kurz“ aushelfen
  • Wechselrichter und Zählerschrank selbst anschließen
  • Abweichungen von der Fachregel mündlich absprechen

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Bei Dachsanierungen holen Eigentümer:innen meist drei Angebote ein und entscheiden nach Vertrauen. Zeigen Sie deshalb auf Ihrer Website echte Dächer aus der Region, erklären Sie den Ablauf von der Besichtigung bis zur Abnahme und nennen Sie Ihr Einzugsgebiet. Wie das in der Suche funktioniert, erklärt der Beitrag lokales SEO. Für das Impressum gelten die Pflichtangaben für Deutschland, inklusive Kammer und Berufsbezeichnung. Den Text erzeugt der Impressum-Generator. Wer „Meisterbetrieb“ auf das Fahrzeug schreiben will, findet die Regeln dazu im Beitrag Werbung im Handwerk.

Checkliste: Dachdeckerbetrieb in Deutschland

  • Handwerksrolle: Dachdecker, ggf. Klempner
  • Gewerbeanmeldung, steuerliche Erfassung, Freistellungsbescheinigung
  • BG BAU binnen einer Woche, Unternehmerversicherung
  • SOKA-DACH-Anmeldung mit dem ersten Arbeitnehmer
  • Stundensatz mit Mindestlohn, 14 % SOKA-DACH und Ausfallzeiten
  • Regelwerk des ZVDH griffbereit
  • Absturzschutz und Rettungskonzept
  • Partnerbetrieb für PV-Elektroanschluss

Was für jeden Handwerksbetrieb gilt, von Rechtsform bis Krankenversicherung, steht im Leitfaden Handwerksbetrieb gründen in Deutschland.

Quellen

Kurz beantwortet

Fragen zu diesem Thema

Brauche ich einen Meister, um mich als Dachdecker selbstständig zu machen?

Ja oder einen gleichgestellten Weg: Ingenieurabschluss, angestellte:r Meister:in als Betriebsleiter:in, Ausübungsberechtigung nach sechs Jahren Berufserfahrung (davon vier leitend) oder eine Ausnahmebewilligung der Handwerkskammer.

Was ist die SOKA-DACH?

Die Sozialkassen des Dachdeckerhandwerks in Wiesbaden. Betriebe zahlen 12,40 % der Bruttolohnsumme plus 1,60 % Winterbeschäftigungsumlage. Die Kasse finanziert unter anderem Teile des 13. Monatseinkommens, die Zusatzrente und Ausbildungszuschüsse.

Wie hoch ist der Mindestlohn für Dachdecker 2026?

14,96 € pro Stunde in Lohngruppe 1 und 16,60 € in Lohngruppe 2 für Gesell:innen. Ab 2027 gelten in Lohngruppe 2 17,10 €.

Darf ein Dachdecker auch Dachrinnen und Blechanschlüsse machen?

Im Zusammenhang mit der Dacheindeckung ja. Metalldächer, Blechfassaden oder reine Rinnenaufträge im großen Stil sind Klempnerarbeit und brauchen die Eintragung als Klempner.

Muss ich als Dachdeckermeister in die Innung?

Nein, die Innung ist freiwillig. Pflicht sind die Handwerkskammer, die BG BAU und, sobald Sie Personal haben, die SOKA-DACH.

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